Mit dem Nikolaus oder Weihnachtsmann laufen

(c) Giordano Aita, Fotolia.com
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Die Weihnachtszeit trägt schon seltsame Blüten. Da werden aus Sportlern Nikoläuse oder Weihnachtsmänner oder irgendwas Undefinierbares dazwischen. Im gesamten Land werden Nikolausläufe angeboten, und nicht selten gibt es für den bestaussehenden Bartträger ein Präsent vom Veranstalter. Die einen finden dieses Verkleiden ganz nett, andere können sich damit nicht wirklich anfreunden. Ich halte es irgendwo dazwischen, eine rote Mütze auf dem Kopf trage ich auch und mache mich damit zum halben Nikolaus.


Wer noch einen Mantel überstreift und sich einen Bart ins Gesicht drückt, darf dies sehr gern tun. Und die ganz Harten laufen auch schon mal 20 Kilometer mit Stiefeln. Ich würde sagen, ein Lauftraining unter erschwerten Bedingungen. Als männlicher Teil unser Gesellschaft möchte ich mich aber zum Thema Sack und Rute heute nicht äußern. Ich weiß nicht, an wie vielen Nikolausläufen ich schon teilgenommen habe, aber es waren einige. Und immer war es anders.

Jedes Jahr dasselbe und trotzdem irgendwie anders

In einem Jahr kam ich mir vor wie einer vom anderen Stern, denn irgendwie war ich der einzige, der nicht mit roter Mütze und obligatorischer Glocke an der Start ging. Da fühlte ich mich unter Läufern das erste Mal als Außenseiter. In einem anderen Jahr war es beim Nikolauslauf so kalt, dass es an den Verpflegungsstellen neben Tee und Glühwein noch andere leckere Heißgetränke gab. So sollte ein Grog beispielsweise aus Rum und heißem Wasser bestehen. Aber in meinem Fall meinte es der Helfer, den ich „leider“ auch noch kannte, besonders gut. Ich glaube, das Wasser wurde großzügig vergessen. Und mit gefühlten 10 Promille können die letzten 5 Kilometer bei einem 18 Kilometer Lauf wirklich sehr, sehr lang werden.


Einmal durfte ich erleben, wie der Herbststurm im Dezember den Nikolauslauf vom Winde verwehte. Irgendwie hatten wir alle das Gefühl, gegen eine Mauer zu laufen und uns keinen Schritt vorzubewegen. Und statt Schnee kamen von oben Äste, aber auch dieses Abenteuer wurde überlebt. In einem weiteren Jahr, welches sich durch bittere Kälte auszeichnete, durfte ich einen älteren Läufer bewundern, der mit kurzer Hose und kurzem Laufshirt unterwegs war. Ich hatte zwei Laufhosen und gefühlte fünf Laufjacken an, und der ältere Herr war wie im Hochsommer unterwegs. Hauptsache auf dem Kopf eine rote Weihnachtsmannmütze.


Manch Laufveranstalter meint es in der kalten Jahreszeit besonders gut und bestückt die Verpflegungsstände mit wunderbar heißen Getränken. Nur wenn wir Läufer es eilig haben, dann wird alles ohne Rücksicht auf Verluste in den Mund gekippt. Und so wurde oft geflucht, weil man sich mal wieder den Mund verbrüht hat an den heißen Getränken. Ich glaube, das ist schon fast eine Tradition.


Dann gab es Jahre, da wäre es besser gewesen, wir hätten statt Laufschuhen Schlittschuhe angezogen und Eisschnelllauf daraus gemacht oder von mir aus auch Eiskunstlauf. Die Figuren, welche manch ein Läufer gezeigt hatte, bevor er sich auf die Laufstrecke legte, waren schon abenteuerlich. Vor dem geistigen Auge sah ich Kampfrichter, die Haltungsnoten verteilten, jeder Sturz eine Pirouette. Da liegste im Dreck, neben Dir sitzen die Kampfrichter und strecken die Haltungsnoten in die Luft. Schon ein bizarres Bild.


Und so hatten die Nikolausläufe immer etwas Besonderes zu bieten. Ich meine, dies wird in den nächsten Jahren wohl auch so bleiben. Welche Erfahrungen habt Ihr denn in Sachen Nikolausläufe gemacht?


Text von Heiko Wache, www.laufen-total.de

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