Wie wirkt sich Laufsucht auf die Familie aus?

Oder: von Menschen und Muffins

Als Hase beim Düsseldorf Marathon 2015.
Als Hase beim Düsseldorf Marathon 2015.

Es ist ein Sonntagnachmittag im Rheinland. Irgendwann zwischen März und Mai. Auf jeden Fall herrscht Aprilwetter. Und das betört gerade mit Starkregen. Normale Menschen würden sich auf dem Sofa fläzen und ein Buch oder einen Muffin verschlingen, am liebsten beides.

 

Knut ist auch ein normaler Mensch. Er ist eine begnadete Couch Potatoe, kann fehlerfrei lesen und problemlos den gesamten Jahres-Muffinvorrat der Familie Knieping in fünf Minuten vernichten. Aber alles erst, nachdem er einem anderweitigen Müßiggang gefrönt hat. Dem Müßiggang des Laufens.

 

 

Die Familie Knieping kennt das. Und auch wenn Knut, wie jetzt wieder, wie ein läufiger Kater durch die Wohnung streunt und sehnsüchtige Blicke nach draußen auf den sich horizontal bewegenden Niederschlag wirft, heben Ehefrau und Tochter keinen Blick von der Zeitung und vom Smartphone. Irgendwann erbarmt sich die Eine und spricht die erlösenden Worte: „Jetzt dreh schon dein Ründchen, Knut!“ Und die Andere ergänzt: „Und bring bitte auf dem Rückweg ein paar Muffins von der Tanke mit. Du hast nämlich gestern alle aufgegessen.“

 

Fünf Minuten später ist Knut Knieping in seinem Element. Wasser von oben, von unten, frontal, egal, Hauptsache Laufen!

 

Knieping ist einer von diesen Laufbesessenen, die täglich dem Kribbeln unter dem Fuß nachgeben und ein oder multiple Ründchen drehen müssen. Das Ründchen sollte mindestens ein Stündchen dauern. Darunter macht Knut es nicht. Aber Knut macht dieses Ründchen auch mit Wündchen. (Schlechter) Spaß beiseite! Knut kennt leider den „Pause“-Knopf nicht, was bedeutet, dass er zur Befriedigung seiner Endorphin-Sucht auch gerne einmal Warnsignale seines Körpers missachtet. Im besten Fall ist es nur das Knie, das funkt, weil es – nomen est omen – pingt. Wer jedoch auch mit Grippesymptomen das Laufbesteck schnürt, um in das Runners High-Nirvana zu gelangen, der hat den goldenen Schuss nicht gehört.

 

Trotz oder gerade wegen dieser pathologischen Unvernunft hat Knut Knieping mittlerweile zwei Mal laufend den Globus umrundet. Über die ihm dabei widerfahrenen, teils hanebüchenen und abstrusen, aber immer sehr lustigen Erlebnisse hat er Buch geführt. Nicht nur eins, sondern diese zwei:


 

Knut Knieping, der pathologische Läufer, zählt 48 Lenze, heißt in der Realität Christoph Adamski und lebt, läuft und leidet in Düsseldorf. Seine Frau und seine Tochter ertragen die Auswüchse seiner Sucht tapfer, … insbesondere, wenn er mit einer Tüte Muffins vom sonntäglichen Austrab zurückkehrt.

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