Susanne Buckelei

Foto: Jorgen Melau, www.melau.no.
Foto: Jorgen Melau, www.melau.no.

Geburtstag: 23. Juni 1976 
Geburtsort: Nürnberg
Größe: 167 cm
Gewicht: 56-57 kg
Wohnort: Eckersmühlen bei Roth
Erster Triathlon: Kindertriathlon in Roth, ca. 1988
Erster Ironman: Roth 1999
Internetseiten: www.susanne-buckenlei.de
Internetseiten: www.professional-endurance-team.de



Im Trainingslager auf Fuerteventura.
Im Trainingslager auf Fuerteventura.
Geländelauf in Norwegen.
Geländelauf in Norwegen.
Per Rad im Gelände. (www.melau.no)
Per Rad im Gelände. (www.melau.no)
Staffelfahrerin in Roth 2011.
Staffelfahrerin in Roth 2011.
Trainingsvorbereitung in Norwegen. Foto: www.melau.no
Trainingsvorbereitung in Norwegen. Foto: www.melau.no
Die Staffel im Ziel, Roth 2011.
Die Staffel im Ziel, Roth 2011.

Erfolg auf der ganzen Linie


Hallo Susanne, Du bist als Athletin und Trainerin gleichermaßen erfolgreich. Was ist für Dich wichtiger?
Der Erfolg als Trainerin! Vor allem bei Rennen in Deutschland stehe ich total gern am Straßenrand und feuere „meine“ Athleten an. Und wenn sie dann ihre Ziele erreichen können, ist das für mich die schönste Bestätigung. Ich selbst starte ja nur noch bei 3–4 Rennen im Jahr, die mich besonders reizen, wie zum Beispiel jetzt im August beim Norseman.

Schreibst Du Deine eigenen Trainingspläne eigentlich selbst?
Im Grunde genommen ja, wobei ich keinen wirklich lang- oder mittelfristigen Plan mehr erstelle. Vielmehr erstelle ich eine Wochenstruktur, die ich dann aber häufig wetter- oder arbeitsbedingt verschiebe. Für mich hat das Geschäft einfach Vorrang, und ich zwinge mich nicht mehr, sklavisch einen Plan einzuhalten. Sowieso trainiere ich weniger Intervalle und eher ruhig oder auf Kraft, damit die Doppelbelastung nicht zu hoch wird.


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Sollten Männer und Frauen unterschiedlich trainieren? Wenn ja, in wiefern?
Ich denke, die Belastbarkeit ist unterschiedlich, und auch die Einstellung zum Training. Die meisten Männer wollen eher hart trainieren, Frauen nicht – aber Frauen stecken intensivere Belastungen oft besser weg als Männer und regenerieren schneller. Natürlich gilt das nicht für jeden, und es ist die Kunst, als Coach die individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten herauszufinden. Ein Pauschalrezept kann es nicht geben; jeder Sportler ist verschieden.

Was sind denn die häufigsten Trainingsfehler?
Die meisten Triathleten trainieren zu viel und zu unstrukturiert. Das heißt, sie setzen auf Masse statt Klasse. Anstatt qualitativ hochwertig zu trainieren, arbeiten sie einfach ihre Zeit ab. Außerdem sind oft die Laufumfänge zu hoch, so dass die Beinmuskulatur ständig platt ist. Ich würde mehr Wert auf ein hohes Lauftempo legen und die Ausdauer auf dem Rad holen.

Was empfindest Du als Deine größten Stärken?
Dazu gehört vor allem, dass ich alles, was ich mache, hundertprozentig mache. Das gilt beim Coaching sowieso, aber letztlich auch bei meinem eigenen Sport: Lieber konzentriere ich mich ganz auf ein Ziel und bereite mich optimal vor, als zu viele Sachen nur halb zu schaffen. Weniger ist eben oft mehr. Und wenn ich ein Ziel verfolge, habe ich auch einen starken Willen – nicht nur beim Sport.

Und was sind Deine körperlichen Stärken?
Da ich vom Skirennlauf komme und von meiner Mutter recht kräftige Beine geerbt habe, ist es auf jeden Fall eine gute Kraftausdauer, die mir auf dem Rad und beim Bergauflaufen sehr entgegenkommt.

Hast Du auch Schwächen?
Aber sicher! Meine Grundschnelligkeit lässt zu wünschen übrig, und genauso gern wie ich mich bewege, bin ich auch mal faul. Ich sitze zum Beispiel liebend gern auf der Couch und lese. So kann ich auch bei schlechtem Wetter mal gemütlich faulenzen, während die meisten Triathleten vor Ungeduld verzweifeln. Insofern ist das manchmal gar nicht sooo schlecht.
Abgesehen vom Sport kann ich auch ziemlich chaotisch sein, wobei das vor allem die unwichtigeren Dinge betrifft, weil ich mich ganz auf die Prioritäten konzentriere. Zwar liebe ich Ordnung, aber wenn ich nur wenig Zeit habe und mich zwischen Training und Aufräumen entscheiden muss, sieht es in der Wohnung schon mal aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Kommt es auch vor, dass Du mit einzelnen Sportlern nicht auskommst und nicht zusammenarbeiten magst?
Ja, das hat es schon gegeben, vor allem, wenn der Umgangston nicht passt und ein Athlet meint, er hätte mit seinem Trainingshonorar den Coach quasi gekauft und der müsse rund um die Uhr verfügbar sein. So eng, wie die Zusammenarbeit zwischen Sportler und Trainer ist, muss die Chemie einfach passen, und das entscheidet sich meist sehr früh. Dabei ist gegebenenfalls eine Trennung für beide Seiten vorteilhaft.

Bist Du mit Matthias eigentlich auf einer Wellenlänge, oder macht Ihr beim PET völlig unterschiedliche Pläne?
In den grundlegenden Fragen wie geringere Laufumfänge und Ernährungsstrategie sind wir absolut einer Meinung, und es gibt bei uns auch kein Nüchterntraining. Allerdings mische ich mich nicht in die Pläne von Matthias ein, und jeder hat durchaus seine eigene Handschrift.
Wobei Matthias neben seinen Lang- und Kurzstreckenathleten ergänzend im Kinder- und Nachwuchsbereich tätig ist, während ich mich auf die Langdistanz spezialisiert habe. Offenbar habe ich auch ein gutes Händchen dafür, erfahrenen (und oft übertrainieren) Triathleten, die schon seit längerer Zeit keine Fortschritte mehr erzielen konnten, wieder zu schnelleren Zeiten zu verhelfen.


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Am 6. August startest Du zum dritten Mal beim „härtesten Ironman der Welt“: dem Norseman. 2009 und 2010 hast Du dort gewonnen. Was ist so hart an diesem Rennen?
Also das Schwimmen mal sicherlich nicht! Aber das Radfahren ist mit 3.500 Höhenmetern schon echt heftig. Und bisher hatte ich beide Male starken Gegenwind. 2009 konnte ich es ja noch entspannt angehen, aber 2010 als Titelverteidigerin war der Druck deutlich größer. Auch diesmal werde ich sicher von Anfang an gejagt. Tja, und das Wissen, dass nach dem Radfahren noch ein extrem harter Marathon kommt, mit 1.500 Höhenmetern auf den letzten 17 Kilometern, bringt einen in die Zwickmühle, dass man einerseits nicht nachlassen darf, aber andererseits jeder Fehler bitter bestraft wird.
 
Dann wünsche ich Dir für Norwegen genau die richtige Kombination aus körperlicher und mentaler Stärke für den Hattrick und bedanke mich für das nette Gespräch!

 

(Juli 2011)

 

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